Liebe Leserin, lieber Leser,

etwas auch nur annähernd vergleichbar beschämendendes Verhalten von Politikern habe ich in meinen nun fast 30 Jahren als Vorsitzender der ACM – seit ihrer Gründung im Jahr 1997 – nicht erlebt. Und ich habe in Sachen Cannabis einiges erlebt.

Die Abgeordneten von CSU, CDU und SPD im Bundestag und Bundesrat mögen sich vielleicht gedacht haben, dass es nicht so schlimm und auffällig ist, wenn sich alle gemeinsam an diesem korrupten Vorgehen beteiligen.

Es ist genau andersherum. Das macht es schlimmer, viel schlimmer, da es die Auffassung von Bürgern verstärkt, dass alle Mitglieder der Regierungsfraktionen nicht mehr ein Mindestmaß an Anstand besitzen, dass sie Teil eines verkommenen Packs sind, dass sie nicht die Interessen der Bürger, sondern die Interessen des Geldes, die Interessen millionenschwerer Unternehmer vertreten, damit diese noch reicher werden – und vielleicht demnächst noch mehr an die Parteien spenden.

Sie sollten sich in Grund und Boden schämen.

Was war passiert?

Ein Großspender der Parteien bekommt von den Abgeordneten von CSU/CDU/SPD im Bundestag und Bundesrat ein millionenschweres Geschenk. Ein Gesetz vom 10. Juli 2026 sieht vor, dass die gesetzlichen Krankenkassen zunächst 6 Monate lang Fertigpräparate (Exilby, Sativex) erstatten müssen, bevor andere Cannabismedikamente (Cannabisblüten, andere Extrakte) verschrieben werden dürfen.

Clemens Fischer von Vertenical, das Exilby in Kürze auf den deutschen Markt bringt, hatte vor der letzten Bundestagswahl mehr als eine halbe Million Euro an die konservativen Parteien gespendet und darf sich nun – gesetzlich garantiert – auf millionenschwere Umsätze seines Cannabismedikamentes freuen.

Ihre Empörung beim Lesen ist begründet! Das ist kein Spaß. Das ist eine Ungeheuerlichkeit.

Abschließend: Es gibt eine Neuerung in den ACM-Mitteilungen. Nachdem die IACM aufgelöst wurde und damit auch das Erscheinen der IACM-Informationen mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen eingestellt wurde, gab es viele Fragen, wo man den nun Informationen zu neuen wissenschaftlichen Publikationen finden kann. Daher finden sich einige allgemeinverständliche Kurzfassungen nun in den ACM-Mitteilungen. Wenn Sie das nicht interessiert, ignorieren Sie es einfach.

Franjo Grotenhermen

Vorstandsvorsitzender

Ein Musterbeispiel an Korruption in der Politik

von Dr. med. Franjo Grotenhermen

Ich möchte es hier in eine zeitliche Reihenfolge bringen, sodass sich jede Leserin und jeder Leser dazu ein Bild machen kann. Der Deutsche Hanfverband hat bereits gestern in einer Pressemitteilung unter dem Titel „Skandalöse Entscheidung zu GKV & Cannabis“ auf das Thema hingewiesen.

Beginnen wir mit den Spenden von Vertanical-Gründer Dr. Clemens Fischer an FDP, CSU, CDU und SPD. In einem Business-Insider-Interview mit Fischer (Clemens Fischer: Darum spendete ich vor der Wahl 560.000 Euro an Parteien, 18.03.2025, Autor Louis Westendarp, unter Berufung auf RND-Recherchen), erläuterte er, warum diese Investition von mehr als einer halben Million Euro in die Gunst der Parteien jeden Euro wert war. Danach spendete Fischer vor der Bundestagswahl 2025 insgesamt 560.000 € an vier Parteien: 200.000 € an die CSU, 200.000 € an die FDP, 100.000 € an die SPD und 60.000 € an die CDU. Dort heißt es: „Mit meinen Spenden wollte ich die politische Mitte stärken“, sagt Fischer, der auch Aufsichtsratsvorsitzender beim Börsenkonzern PharmaSGP ist, zu Business Insider. Er wünsche sich, „dass sich in Deutschland deutlich was verändert und vorwärtsgeht.“ Dies sei möglich mit den Parteien, die er unterstützt habe – also der CDU/CSU, der FDP und der SPD. Zudem fände es Clemens Fischer „genial, wenn endlich mal unternehmerisch gedacht würde“. Für ihn bedeutet das Bürokratieabbau und schnellere Zulassungen.

Wir wissen heute, was er damit gemeint hat. Im Jahr 2025 fanden aussichtsreiche Zulassungstudien für den demnächst zugelassenen Cannabisextrakt Exilby von Fischers Vertenical statt. Heute verstehen wir, dass er als Gegenleistung für seine Großzügigkeit eine Unterstützung für die Vermarktung von Exilby und damit Einnahmen von Millionen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erwartete.

Seine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Denn besser hätte es nicht laufen können. Bundestag und Bundesrat haben das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verabschiedet, das die Erstattung von medizinischem Cannabis deutlich einschränkt.

Der ursprüngliche Regierungsentwurf sah vor, Cannabisblüten komplett aus dem Leistungskatalog der GKV zu streichen. Im Referentenentwurf vom 16.4.2026 hieß es noch: „Der Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten wird aus dem Leistungsanspruch der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen. Der Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von Extrakten in standardisierter Qualität und Fertigarz neimittel sowie Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol und Nabilon bleibt nach § 31 Absatz 6 SGB V bestehen.“ Und in der Begründung hieß es lapidar: „Mit dem Ziel der Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung wird Cannabis in Form von getrockneten Blüten aus dem Leistungsanspruch nach § 31 Absatz 6 gestrichen.“

In letzter Minute wurde das im Gesundheitsausschuss durch einen Änderungsantrag (v. a. auf CSU-Initiative) noch verschärft, aber in der Wirkung leicht abgemildert: Blüten fallen nicht formal komplett weg, aber faktisch werden sie zur nachrangigen Option. Neu ist: Cannabisblüten und alle Rezepturarzneimittel (also auch Extrakte) sind in den ersten sechs Monaten einer Behandlung grundsätzlich nicht mehr erstattungsfähig. Erst wenn eine mindestens sechsmonatige Therapie mit einem zugelassenen Cannabis-Fertigarzneimittel erfolglos war, können Kassenpatienten auf Blüten oder Extrakte wechseln. Die Regierungskoalition von CSU/CSU/SPD hat Fischers Vertanical eine Gelddruckmaschine geschenkt.

Auch Professor Dr. Josef Hecken, der kürzlich ausgeschiedene G-BA-Vorsitzende, der den G-BA in seiner bekannten dominanten Art und Weise nahezu 15 Jahre leitete – vom 1. Juli 2012 bis 30. Juni 2026 – fühlte sich kurz vor seinem Ausscheiden berufen, ein starkes Wort zugunsten von Exilby einzulegen. Wie in einem Beitrag von Apotheke Adhoc vom 6.7.2026 unter dem Titel Cannabis: Fertigarzneimittel vor Apothekenrezeptur nachzulesen ist, hatte Hecken bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss auf Frage von Stephan Pilsinger (CSU) die Idee ins Spiel gebracht, Fertigarzneimittel künftig vor Apothekenzubereitungen zu bevorzugen und einen mindestens sechsmonatigen Therapieversuch zur Pflicht zu machen, bevor Rezepturen verordnet werden dürfen. Der Artikel nennt in diesem Zusammenhang Exilby von Vertanical/Clemens Fischer explizit als kurz vor der Marktreife stehendes Präparat.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) führt Nutzenbewertungen neue Arzneimittel (nach dem sogenannten AMNOG-Verfahren) durch, erlässt Richtlinien für die Verordnung von Arzneimitteln und fast Beschlüsse zum Umgang mit neuen Untersuchung- und Behandlungsmethoden. Der G-BA hat in der Zeit des Professor Hecken zahlreiche Entscheidungen im Bereich medizinische Versorgung mit Cannabismedikamenten getroffen.

Als Fertigarzneimittel stehen aktuell nur Sativex und das neu zugelassene Exilby keines davon ist für den inhalativen Gebrauch bei akuten Schmerzspitzen geeignet, was aus Patientensicht ein zentraler Kritikpunkt ist.

Schreiben der ACM an die Abgeordneten von CSU, CDU und SPD im Bundestag am 9. Juli 2026

Unter dem Titel „Wie eine Maßnahme zum GKV-Gesetz die Kosten ungewollt erhöht“ wendete sich der Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. an die Mitglieder der Regierungsfraktionen des Deutschen Bundestages, mit der Aufforderung dem „GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz“ hinsichtlich der geplanten Änderungen bei der Finanzierung von Cannabismedikamenten nicht zuzustimmen. Wie bereits gestern bekannt geworden ist, leider vergeblich.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

am morgigen 10. Juli soll im Deutschen Bundestag ein GKV-Einsparungsprogramm verabschiedet werden.

Es gibt allerdings eine Maßnahme, die die Kosten der GKV nicht reduzieren, sondern erhöhen wird. Es handelt sich um ein Vorhaben zur Behandlung mit Cannabis-Medikamenten.

Die ursprüngliche Kabinettsfassung sah eine komplette Streichung von Cannabisblüten aus dem GKV-Leistungsanspruch vor. Ein kurzfristig eingebrachte Änderungsantrag hat das etwas abgeschwächt zu einer Vorrangregelung: Blüten und Rezepturen sollen künftig grundsätzlich erst nach einem mindestens sechsmonatigen Therapieversuch mit einem zugelassenen Fertigarzneimittel (z.B. Sativex, künftig evtl. Exilby) verordnungsfähig sein.

Da Fertigarzneimittel deutlich teurer sind als Rezepturarzneimittel, wird der Vorrang von Fertigarzneimitteln folgerichtig auch die Kosten für die gesetzlichen Krankenkassen erhöhen. Zudem schadet es Patienten, die von einer Behandlung mit Cannabisblüten deutlich besser profitieren als von oralen Präparaten, da sie zur Behandlung ihrer Symptome ein schnelles Einsetzen der Wirkung benötigen.

Weitere Informationen finden sich zu diesem Thema in einem Artikel der Pharmazeutischen Zeitung

Vorrangregelung bei Cannabis als »Fremdkörper im Spargesetz« (Pharmazeutische Zeitung)

Der Vorstand der ACM e.V. regt daher an, den Forderungen von Verbänden aus dem Gesundheitswesen und der Patientenschaft zu folgen, und die Übernahme der Behandlungskosten für Cannabisblüten beizubehalten.

Mit freundlichen Grüßen

Franjo Grotenhermen

im Namen des ACM-Vorstandes

Cannabis-Apothekerin: Kein Umweg über Fertigarzneimittel! (Apotheke ADHOC)

Die Zeitschrift Apotheke Adhoc berichtete über die Veränderungen bei der Behandlung mit Cannabismedikamenten im GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz mit den Stimmen von CSU/CDU und SPD im Deutschen Bundestag und Bundesrat, dass gegen den Widerstand der Oppositionsfraktionen von Grünen und Linken, die vergeblich versucht hatten, diese kurzfristige und überhastete Abstimmung vor dem Bundesverfassungsgericht zu stoppen.

Cannabis-Apothekerin: Kein Umweg über Fertigarzneimittel!

Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) soll die Behandlung mit Cannabisblüten zwar nicht mehr komplett gestrichen werden, aber zunächst soll ein halbes Jahr lang ein Therapieversuch mit einem Fertigarzneimittel unternommen werden. Melanie Dolfen von den Bezirksapotheken Berlin warnt vor dieser Sonderbehandlung.

„Der aktuelle Gesetzentwurf sieht vor, die Kostenübernahme für cannabishaltige Rezepturarzneimittel gravierend einzuschränken“, sagt Dolfen. Künftig sei die Verordnung von cannabishaltigen Rezepturen grundsätzlich erst nach einem sechsmonatigen Therapieversuch mit einem zugelassenen cannabishaltigen Fertigarzneimittel zulässig. Damit stünden die meisten der rund 65.000 Patientinnen und Patienten, die aktuell Medizinalcannabis auf Kassenrezept bekommen, schlagartig ohne Kostenübernahme da.

Denn die überwiegende Mehrheit der Cannabispatienten bekomme Rezepturarzneimittel wie Extrakte, Kapseln, Öle, Zäpfchen oder Cremes. Etwa ein Drittel von ihnen nutze Blütentherapien, bei denen Medizinalcannabis verdampft wird.

„Hinzu kommt, dass es bisher kaum zugelassene cannabishaltige Fertigarzneimittel gibt. Und die wenigen, die es gibt, sind nur für wenige Anwendungen zugelassen. So gibt es bisher nur ein Schmerzpräparat, wo nicht klar ist, ob es ähnlich wirksam ist wie zum Beispiel Blütentherapien.“

Daneben macht der Entwurf aus ihrer Sicht deutlich, welche pauschalen Vorurteile gegen Blütentherapien, personalisierte Medizin und Apothekenarbeit in der Koalition gepflegt werden – Vorurteile, die nur der Pharmaindustrie nützen. So steht dort wörtlich: „Die Regelung trägt dem Umstand Rechnung, dass zugelassene Fertigarzneimittel gegenüber nicht zugelassenen Rezepturarzneimitteln grundsätzlich die zweckmäßigere Versorgungsform darstellen.“

„Den Beweis für diesen ‚Umstand‘ allerdings sind uns die Krankenkassen nach all den Jahren, die sie gegen Medizinalcannabis und Rezepturarzneimittel polemisieren, immer noch schuldig.“

Wissenschaft: Langzeittherapie mit inhaliertem Cannabis bei chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich (Pubmed)

Robinson D, Khatib M, Lavon E, Kafri N, Rashed WA, Murad H, Yassin M. Long-Term Inhaled Cannabis Therapy for Chronic Low Back Pain: A Five-Year Retrospective Analysis of Prospectively Collected Patient-Reported Outcomes in 241 Treatment-Refractory Patients. Biomedicines. 2026 May 30;14(6):1255. doi: 10.3390/biomedicines14061255.

Worum geht es?

Viele Patienten mit chronischen Rückenschmerzen sprechen auf herkömmliche Behandlungen nicht ausreichend an. Diese Studie untersuchte, ob das Inhalieren von medizinischem Cannabis über fünf Jahre hinweg bei solchen Patienten Schmerzen und Einschränkungen langfristig verbessern kann.

Wie wurde geforscht?

Prospektiv erhobene Daten von 241 Patienten mit therapierefraktärem chronischen Rückenschmerz aus einer israelischen Orthopädieklinik wurden ausgewertet. Die Patienten hatten zuvor erfolglos Opioide, NSAIDs, Antidepressiva und Physiotherapie erhalten. Vor und nach Therapiebeginn wurden standardisierte Schmerzskalen (NRS, ODI, BPI) erfasst.

Was kam heraus?

Nach fünf Jahren Cannabis-Inhalationstherapie verbesserten sich alle vier Primärendpunkte erheblich und dauerhaft: Der Schmerzwert auf der NRS sank im Mittel um 5,36 Punkte. 89,2 % der Patienten erzielten eine mindestens 30-prozentige Schmerzreduktion.

Die Begleitmedikation nahm drastisch ab: Der Opioidkonsum sank von 100 % auf 4,6 %, NSAIDs von 100 % auf 7,1 %, Antidepressiva von 80,5 % auf 5,4 %. Unerwünschte Wirkungen waren fast ausschließlich leichtgradig (99,8 % Grad 1). Da es keine Kontrollgruppe gab, sind kausale Aussagen begrenzt – randomisierte Studien werden benötigt.

Informationen zu den Autoren: Department of Orthopedics, Hasharon Hospital, Rabin Medical Center, Petah Tikva, Israel.

Wissenschaft: Cannabigerol und Cannabichromen lösen den Zelltod und die Apoptose von Lungenkrebszellen aus (Pubmed)

Spengler T, Wittig F, Frank M, Hinz B. Cannabigerol and Cannabichromene Induce Lung Cancer Cell Death and Apoptosis – Contribution of PPARα to Cannabigerol Effects. Antioxidants (Basel). 2026 Jun 15;15(6):754. doi: 10.3390/antiox15060754. PMID: 42352060.

Worum geht es?

Während Cannabidiol (CBD) in der Krebsforschung bereits intensiv untersucht wurde, sind die nicht-psychoaktiven Cannabinoide CBG und CBC deutlich weniger erforscht. Diese Zellkulturstudie untersuchte, ob CBG und CBC Lungenkrebszellen abtöten können und welche biologischen Mechanismen dabei eine Rolle spielen.

Wie wurde geforscht?

Zwei menschliche Lungenkrebszelllinien (A549 und H460) wurden mit CBG und CBC behandelt. Untersucht wurden Zelltod, Apoptosemarker (u.a. Caspase-Aktivierung, Annexin-V-Färbung), Mitochondrienfunktion sowie beteiligte Rezeptoren (CB1, CB2, TRPV1, TRPM8, PPARα, PPARγ).

Was kam heraus?

Sowohl CBG als auch CBC töteten Lungenkrebszellen konzentrationsabhängig ab und lösten Apoptose sowie Autophagie aus. Die mitochondriale Funktion wurde durch beide Cannabinoide beeinträchtigt.

Der zelltodinduzierende Effekt von CBG wurde maßgeblich über den Rezeptor PPARα vermittelt – ein potenziell therapeutisch relevantes Ziel. Diese präklinischen Zellkulturdaten müssen in weiteren Studien einschließlich Tierversuchen und klinischer Forschung bestätigt werden.

Informationen zu den Autoren: Institute of Pharmacology and Toxicology, Rostock University Medical Center, 18057 Rostock, Germany.

Wissenschaft: CBD-haltige Hanfextrakte und isoliertes CBD gegen Akne (Pubmed)

Komane B, Kaye T. CBD-Containing Hemp Extracts and Isolated CBD for Acne: A Systematic Review of Anti-Inflammatory Mechanisms, Clinical Signals and Sustainability. Molecules. 2026 Jun 9;31(12):2017. doi: 10.3390/molecules31122017. PMID: 42357416.

Worum geht es?

Akne ist eine der häufigsten Hauterkrankungen weltweit. Dieses systematische Review untersuchte, ob CBD-haltige Hanfextrakte entzündliche Akne lindern können und welche biologischen Mechanismen dabei eine Rolle spielen.

Wie wurde geforscht?

Gemäß PRISMA-2020-Leitlinien wurden Zellkulturstudien, ex-vivo-Modelle und frühe klinische Studien zu CBD und Akne systematisch ausgewertet. Zusätzlich wurden Nachhaltigkeitsaspekte des Hanfanbaus analysiert.

Was kam heraus?

CBD hemmte in Zellstudien wichtige Entzündungsmoleküle (TNF-α, IL-1β, IL-6, IL-8) und normalisierte die Talgproduktion. Erste klinische Beobachtungen zeigten weniger Akneläsionen und weniger Hautrötung bei guter Verträglichkeit.

Die aktuelle Evidenz ist noch vorläufig: Studien sind klein, meist nicht randomisiert und verwenden sehr unterschiedliche Formulierungen. Rigoros konzipierte klinische Studien mit standardisierten CBD-Präparaten sind notwendig, um den therapeutischen Nutzen bei Akne zu belegen.

Informationen zu den Autoren: Somatology, Department of Human Movement and Therapeutic Sciences, Tshwane University of Technology, Pretoria, South Africa.

Wissenschaft: Sedierende und Narkosemittel sparende Wirkungen von perioperativ verabreichtem Vollspektrum-Cannabisöl bei Hündinnen (Pubmed)

Lima AGB, Barbosa VF, Regadas R, de Araújo Barreto CO, Rodrigues GM, Rocha MAN, Dos Reis HA, de Carvalho VMP, Silva LP, Barrouin-Melo SM, Estrela-Lima A. Sedative and anesthetic-sparing effects of perioperative full-spectrum cannabis oil in female dogs undergoing unilateral mastectomy and ovariohysterectomy. Vet Res Commun. 2026 Jun 25;50(5):421. doi: 10.1007/s11259-026-11367-1. PMID: 42348039.

Worum geht es?

Narkosen bei älteren Hunden mit Mammatumoren sind mit erhöhten Risiken verbunden. Diese Studie untersuchte, ob die präoperative Gabe eines CBD/THC-Cannabisöls die benötigte Narkosemittelmenge reduzieren und die Sedierung verbessern kann.

Wie wurde geforscht?

20 weibliche Hunde wurden zufällig in eine Cannabis-Gruppe (CBD/THC-Öl, 7 Tage präoperativ plus präoperative Einmaldosis) und eine Placebo-Gruppe aufgeteilt. Bei allen Tieren wurden Narkoseeinleitung mit Propofol und Aufrechterhaltung mit Sevofluran durchgeführt. Gemessen wurden Sedierungsgrad, Propofol- und Sevofluranverbrauch sowie Bedarf an Schmerzrettungsmedikation.

Was kam heraus?

Die mit Cannabisöl vorbehandelten Hunde benötigten deutlich weniger Propofol (2,33 vs. 5,98 mg/kg) und geringere Sevoflurankonzentrationen. Die Sedierungsscores waren nach 40 und 60 Minuten signifikant höher, und weniger Hunde brauchten zusätzliche Schmerzmedikation.

Es wurden keine klinisch relevanten Nebenwirkungen beobachtet. Die Ergebnisse unterstützen den Einsatz von CBD/THC-Öl als sicheres Adjuvans in der multimodalen Veterinäranästhesie – kontrollierte Studien mit größeren Gruppen sind zur Bestätigung erforderlich.

Informationen zu den Autoren: Research Center on Mammary Oncology (NPqOM), Veterinary Medicine Hospital (HOSPMEV), Federal University of Bahia, Salvador, Brazil.

Wissenschaft: Ein Cannabidiol-haltiges Hydrogel auf Alginatbasis als neuartiger multifunktionaler Wundverband zur Förderung der Wundheilung. (Pubmed)

Zheng Z, Qi J, Hu L, Ouyang D, Wang H, Sun Q, Lin L, You L, Tang B. A cannabidiol-containing alginate based hydrogel as novel multifunctional wound dressing for promoting wound healing. Biomater Adv. 2022 Mar;134:112560. doi: 10.1016/j.msec.2021.112560. PMID: 35523648.

Worum geht es?

Die Behandlung von Wunden erfordert Verbandmaterialien, die gleichzeitig Infektionen bekämpfen, Entzündungen reduzieren und die Heilung fördern. Diese Studie entwickelte und testete ein neuartiges CBD-haltiges Alginat-Hydrogel als Wundverband.

Wie wurde geforscht?

Das Hydrogel (CBD/Alg@Zn) wurde aus Cannabidiol, Alginat und Zinkionen hergestellt und seine physikalisch-chemischen Eigenschaften charakterisiert. Wirksamkeit und Sicherheit wurden in Zellkultur und im Mausmodell untersucht, u.a. hinsichtlich antibakterieller Wirkung, Freie-Radikal-Neutralisierung, Entzündungshemmung und Gewebereparatur.

Was kam heraus?

Das CBD/Alg@Zn-Hydrogel zeigte im Labor gute Biokompatibilität, antibakterielle Wirkung, Hemmung freier Radikale und Reduktion entzündlicher Mediatoren. Im Tiermodell heilten Wunden schneller und mit besserer Gewebequalität (mehr Kollagen, mehr Blutgefäße, weniger Entzündungszellen).

Die kombinierten Eigenschaften von CBD, Alginat und Zink machen dieses Hydrogel zu einem vielversprechenden Kandidaten für multifunktionale Wundverbände und das Tissue Engineering der Haut – weitere präklinische und klinische Studien sind erforderlich.

Informationen zu den Autoren: Department of Biomedical Engineering, Southern University of Science and Technology, Shenzhen, China; Department of Mechanical and Industrial Engineering, University of Toronto, Canada.

Wissenschaft: Selbstberichteter Cannabiskonsum zur Linderung von Opioid-Entzugserscheinungen (Pubmed)

McAdam E, Reddon H, Socías ME, Lake S, Hayashi K, DeBeck K, Walsh Z, Milloy MJ. Self-reported cannabis use to manage opioid withdrawal symptoms and reductions in opioid use among people who use unregulated opioids: a cross-sectional analysis. J Cannabis Res. 2026 Jun 24. doi: 10.1186/s42238-026-00458-0. PMID: 42343486.

Worum geht es?

Viele Menschen, die Opioide konsumieren, versuchen, ihren Konsum zu reduzieren – scheitern aber oft an schweren Entzugssymptomen. Diese Studie untersuchte, ob der selbstberichtete Einsatz von Cannabis zur Linderung von Entzugssymptomen mit einer Reduktion des Opioidkonsums zusammenhängt.

Wie wurde geforscht?

Querschnittsstudie mit 197 Cannabis konsumierenden Personen, die in Vancouver, Kanada, unregulierte Opioide verwenden. Per Fragebogen wurde erhoben, ob Cannabis zur Entzugslinderung eingesetzt wurde und ob der Opioidkonsum in den vergangenen sechs Monaten abnahm. Eine Subgruppenanalyse unterschied Personen mit und ohne starke Schmerzen.

Was kam heraus?

Personen, die Cannabis zur Entzugslinderung einsetzten, berichteten doppelt so häufig von einer Reduktion ihres Opioidkonsums (AOR=2,16). Bei Personen mit mäßigen bis schweren Schmerzen war dieser Zusammenhang noch deutlich stärker (AOR=6,55).

Die Studie ist querschnittlich und beruht auf Selbstauskünften – Kausalaussagen sind daher nicht möglich. Dennoch unterstreichen die Ergebnisse den Bedarf an kontrollierten klinischen Studien, die den Einsatz von Cannabinoiden zur Unterstützung des Opioid-Entzugs bei schmerzbelasteten Personen untersuchen.

Informationen zu den Autoren: British Columbia Centre On Substance Use, Vancouver, BC, Canada; Department of Medicine, University of British Columbia, Vancouver, BC, Canada.

Wissenschaft: Durch Cannabichromen regulierte Entzündungssignalwege im Ratten-Modell der rheumatoiden Arthritis. (Pubmed)

Sklenárová M, Šteigerová M, Jelínek P, Bazyuk M, Merdita S, Chaban B, Hlaváč J, Stránský D, Fučíková M, Šoóš M, Šíma M, Slanař O. Signaling pathways of inflammation in CIA model of rheumatoid arthritis regulated by cannabichromene. J Cannabis Res. 2026 Jun 24. doi: 10.1186/s42238-026-00464-2. PMID: 42343451.

Worum geht es?

Rheumatoide Arthritis ist eine schwerwiegende Gelenkentzündungserkrankung, bei der das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Diese Studie untersuchte, ob das nicht-psychoaktive Cannabinoid Cannabichromen (CBC) Entzündungsprozesse bei Arthritis hemmen kann.

Wie wurde geforscht?

CBC wurde zunächst an menschlichen Gefäßzellen (HUVEC) mit LPS-Stimulation getestet. Anschließend wurden Ratten mit einer Kollagen-induzierten Arthritis (CIA) behandelt und in vier Gruppen aufgeteilt: Placebo, CBC, Methylprednisolon (Vergleichsmedikament) und gesunde Kontrollen. Klinische Parameter, Entzündungsmarker und molekulare Signalwege wurden analysiert.

Was kam heraus?

CBC hemmte in Zellkulturen und im Tiermodell wichtige Entzündungsmoleküle (TNF-α, IL-6, STAT3, IL-17A) und supprimierte die TNF–NF-κB–IL-6–STAT3–Th17-Entzündungsachse sowie Inflammasom-Komponenten (NLRP3). Arthritis-Scores verbesserten sich signifikant gegenüber Placebo.

Marker für strukturellen Gelenkschaden (MMP-3, MMP-9) wurden nicht signifikant beeinflusst. CBC zeigt dennoch ein vielversprechendes anti-inflammatorisches Profil als möglicher Wirkstoff bei entzündlicher Arthritis – klinische Studien am Menschen stehen noch aus.

Informationen zu den Autoren: Institute of Pharmacology, First Faculty of Medicine, Charles University and General University Hospital in Prague, Czech Republic.

Wissenschaft: Wirksamkeit und Sicherheit von Produkten auf Cannabinoid-Basis bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung (Pubmed)

Boeri S, Bosisio L, Prato G, Martinez Popple M, De Grandis E, Striano P, Benke TA, Nobili L. Efficacy and Safety of Cannabinoid-Based Products in Children and Adolescents with Autism Spectrum Disorder, Fragile X Syndrome and Rett Syndrome: A Systematic Review. J Child Adolesc Psychopharmacol. 2026 Jun 24. doi: 10.1177/10445463261462382. PMID: 42339654.

Worum geht es?

Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störung, Fragilem-X-Syndrom oder Rett-Syndrom haben oft schwere Verhaltens- und kognitive Probleme, für die es begrenzte Therapieoptionen gibt. Dieses systematische Review fragte, ob cannabinoidbasierte Produkte bei diesen Erkrankungen helfen und sicher sind.

Wie wurde geforscht?

Systematische Literaturrecherche nach PRISMA 2020 in PubMed und weiteren Datenbanken. Eingeschlossen wurden Studien mit CBD, CBDV, THC oder Kombinationen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mit ASD, FXS oder RTT. Bewertet wurden Verhaltensänderungen, Anfallshäufigkeit, kognitive Veränderungen und Nebenwirkungen.

Was kam heraus?

17 Studien (darunter 2 randomisiert-kontrollierte Studien) wurden ausgewertet. Cannabinoide wurden überwiegend gut vertragen (leichte bis mäßige Nebenwirkungen, niedrige Abbruchraten). Für ASD und FXS zeigten sich Hinweise auf Verhaltensverbesserungen, für RTT auf Anfallsreduktion.

Die Evidenz reicht noch nicht für eine routinemäßige klinische Empfehlung aus: Die meisten Studien sind klein, nicht randomisiert und methodisch heterogen. Es bedarf qualitativ hochwertiger RCTs mit standardisierten Messinstrumenten und Langzeitbeobachtung.

Informationen zu den Autoren: Department of Neurosciences, Rehabilitation, Ophthalmology, Genetics, Maternal and Child Health (DINOGMI), University of Genoa; Child Neuropsychiatry Unit, IRCCS Istituto Giannina Gaslini, Genoa, Italy.

Wissenschaft: Entwicklung und klinische Bewertung einer Nanoemulsion zur bukkalen Verabreichung von Cannabisextrakt bei therapieresistenten chronischen Schmerzen (Pubmed)

Spirito A, Provenzano R, Vitiello A, Di Spirito NA, Izzo L, Lombardi A, Maiolino P, Pane C, Ungaro F, Saccà F, d'Angelo I, Miro A. Development and clinical evaluation of a nanoemulsion for buccal delivery of cannabis extract in refractory chronic pain. Eur J Pharm Biopharm. 2026 Jun 23:115162. doi: 10.1016/j.ejpb.2026.115162. PMID: 42336000.

Worum geht es?

Medizinisches Cannabis ist bei chronischen Schmerzen wirksam, aber THC wird nach dem Schlucken schlecht aufgenommen. Diese Studie entwickelte eine neuartige Nanoemulsion für die Mundschleimhaut-Aufnahme (bukkal) von THC, um die Bioverfügbarkeit zu verbessern, und testete sie erstmals an Schmerzpatienten.

Wie wurde geforscht?

Eine Nanoemulsion (THC-NE) auf Basis von Bedrocan®-Extrakt wurde hergestellt und physikalisch-chemisch charakterisiert. In einer Beobachtungsstudie mit 18 Patienten mit therapieresistenten chronischen Schmerzen wurde die Formulierung über median 189 Tage angewendet. Der Schmerz wurde mittels NRS-Skala gemessen.

Was kam heraus?

Die THC-NE war physikalisch-chemisch stabil (mindestens 90 Tage bei 4 °C) und ermöglichte eine anhaltende Wirkstofffreisetzung. Klinisch sank der mittlere NRS-Score von 8,6 auf 5,4 (p<0,001), 83 % der Patienten erreichten mindestens 20 % Schmerzreduktion, und 64 % setzten die Therapie nach 6 Monaten fort.

Nebenwirkungen waren überwiegend leicht und vorübergehend. Die Nanoemulsion bietet eine patientenfreundliche, besser bioverfügbare Alternative zur oralen Einnahme von Cannabis-Extrakten – randomisierte kontrollierte Studien sind für eine abschließende Wirksamkeitsbewertung erforderlich.

Informationen zu den Autoren: Department of Pharmacy, University of Naples Federico II, Naples, Italy; DiSTABiF, University of Campania "Luigi Vanvitelli", Caserta, Italy.

Wissenschaft: Cannabidiol hemmt die durch Aβ ausgelöste frühe Gliazellenaktivierung und könnte daher bei der Vorbeugung eines Morbus Alzheimer hilfreich sein (Pubmed)

Salgado KDCB, de Albuquerque ALS, Pedrosa TCF, Cota AAB, Talvani A, Oliveira LAM, Nogueira KOPC. Cannabidiol Limits Early Aβ-Induced Glial Activation and Preserves Synaptic Integrity in Primary Mouse Hippocampal Neuron-Glia Cultures. Eur J Neurosci. 2026 Jun;63(12):e70588. doi: 10.1111/ejn.70588. PMID: 42331352.

Worum geht es?

Bei Alzheimer-Demenz beginnen Schäden im Gehirn schon Jahre vor den ersten Symptomen – ausgelöst durch das fehlerhafte Protein Amyloid-β (Aβ). Diese Studie untersuchte in Zellkulturen, ob CBD die frühesten Entzündungsreaktionen auf Aβ abschwächen und Synapsen schützen kann.

Wie wurde geforscht?

Primäre Neuron-Glia-Mischkulturen aus dem Mäuse-Hippocampus wurden gleichzeitig mit Aβ25-35 und CBD behandelt (24 Stunden). Gemessen wurden Entzündungsmarker (IL-1β, IL-6, TNF-α), oxidativer Stress, Gliaaktivierung sowie synaptische und neurogenese-assoziierte Proteine.

Was kam heraus?

Aβ aktivierte Gliazellen stark und erhöhte Entzündungsmarker, während synaptische Proteine anfänglich noch unverändert blieben – d.h. Neuroinflammation geht dem Synapsenschaden voraus. CBD reduzierte diese Entzündungs- und Oxidationsreaktion signifikant und bewahrte die Synapsenfunktion.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das frühe Zeitfenster der Gliaentzündung eine kritische Phase für therapeutische Eingriffe darstellt und cannabinoidbasierte Strategien das Alzheimer-Frühstadium günstig beeinflussen könnten. Tierexperimentelle und klinische Bestätigung sind erforderlich.

Informationen zu den Autoren: Laboratory of Neurobiology and Biomaterials, Federal University of Ouro Preto, Brazil; Laboratory of Immunobiology of Inflammation, Federal University of Ouro Preto, Brazil.

Wissenschaft: Auslösung des Zelltods und Bildung intrazellulärer Vesikel in menschlichen Darmkrebszellen nach Behandlung mit THC (Pubmed)

Hwang YN, Kwon IS, Park JH, Na HH, Kwon TH, Park JS, Kim KC. Cell death induction and intracellular vesicle formation in human colorectal cancer cells treated with Δ9-Tetrahydrocannabinol. Genes Genomics. 2023 Dec;45(12):1463-1474. doi: 10.1007/s13258-023-01466-7. PMID: 37837516.

Worum geht es?

Darmkrebs ist eine häufige und oft schwer therapierbare Krebserkrankung. Während die krebshemmende Wirkung von CBD gut untersucht ist, ist über die direkte Anti-Krebs-Wirkung von THC weniger bekannt. Diese Studie untersuchte, wie THC auf menschliche Darmkrebszellen wirkt.

Wie wurde geforscht?

Zwei menschliche Darmkrebszelllinien wurden mit verschiedenen Konzentrationen von Δ9-THC behandelt. Untersucht wurden Zellwachstumshemmung (MTT-Assay), Zelltod und Apoptosemarker (Annexin V, Western-Blot), Mitochondrienfunktion sowie die Bildung intrazellulärer Vesikel und der beteiligte Mechanismus (PPARγ/Clathrin).

Was kam heraus?

Ab einer Konzentration von 40 μM hemmte THC das Wachstum von Darmkrebszellen und induzierte Zelltod über G1-Zellzyklusarrest. Wichtige Apoptosemarker (p53, PARP-1, RIP1, RIP3) wurden hochreguliert, und die ATP-Produktion sank durch Veränderungen im Bcl-2/Bax-Verhältnis.

THC regulierte außerdem die Bildung intrazellulärer Vesikel über den Rezeptor PPARγ und das Transportprotein Clathrin. Diese Doppelwirkung – Zelltod und Vesikelbildung – deutet auf neue Angriffspunkte für cannabinoidbasierte Krebstherapien hin, die jedoch in weiteren Studien bestätigt werden müssen.

Informationen zu den Autoren: Department of Biological Sciences, College of Natural Sciences, Kangwon National University, Chuncheon, Republic of Korea.

Wissenschaft: Behandlung von Unruhe bei Alzheimer-Patienten mit Cannabinoiden (Pubmed)

da Silva AMP, de Siqueira Lima DV Jr, Figueiroa Souza R, Lopes VHP, Januario Campos Cardoso L, Ornelas Pinto EL, Gonçalves OR, Braga C, Cal H, Haddad DS, Vasconcelos SMM, Duarte FS, Perry G, Anghinah R. Cannabinoids Treatment for Agitation in Alzheimer's Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis With Bayesian and Sequential Trial Analyses. Am J Geriatr Psychiatry. 2026 May 29. doi: 10.1016/j.jagp.2026.05.016. PMID: 42315374.

Worum geht es?

Viele Alzheimer-Patienten zeigen aggressive oder unruhige Verhaltensweisen (Agitiertheit), die für Betroffene und Pflegende sehr belastend sind. Dieses Review untersuchte, ob cannabinoidbasierte Präparate bei diesen Symptomen helfen und wie sicher sie sind.

Wie wurde geforscht?

Systematisches Review und Meta-Analyse von randomisierten Plazebo-kontrollierten Studien zu Cannabinoiden bei Alzheimer-bedingter Agitiertheit und neuropsychiatrischen Symptomen. Gesucht wurde in PubMed, Embase und Cochrane bis April 2025. Statistische Auswertung mit Random-Effects-Modellen, Bayes-Analysen und Sequential Trial Analysis.

Was kam heraus?

Sieben Studien mit 221 Teilnehmern wurden analysiert. Cannabinoide reduzierten gegenüber Plazebo signifikant Agitiertheit (NPI-Agitation: SMD -0,47) und neuropsychiatrische Gesamtbelastung (NPI: SMD -0,31). Bayesianische Posterior-Wahrscheinlichkeiten für eine Überlegenheit gegenüber Plazebo lagen über 95 %.

Schläfrigkeit trat doppelt so häufig auf wie unter Plazebo. Ein konsistenter kognitiver Benefit ließ sich nicht belegen. Die Evidenz ist durch wenige, kleine und heterogene Studien begrenzt – größere RCTs mit standardisierten Protokollen sind erforderlich.

Informationen zu den Autoren: MemoryHub, Cognitive and Neurodegenerative Disorders Research Group, São Paulo, Brazil; Department of Psychiatry, University of California San Diego, CA, USA.

Wissenschaft: Die Auswirkungen von CBD auf den Blutdruck bei Erwachsenen (Pubmed)

Roberts A, Fountzopoulos S, Desai T. The effects of oral cannabidiol supplementation on blood pressure in adults: a systematic review of randomised controlled trials. J Cannabis Res. 2026 Jun 19. doi: 10.1186/s42238-026-00463-3. PMID: 42321899.

Worum geht es?

Bluthochdruck betrifft Millionen Menschen weltweit und erhöht das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erheblich. Diese Übersichtsarbeit untersuchte, ob die orale Einnahme von CBD den Blutdruck senken kann.

Wie wurde geforscht?

Systematische Suche in großen medizinischen Datenbanken nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), in denen CBD oral eingenommen und der Blutdruck gemessen wurde. Eingeschlossen wurden gesunde und hypertensive Erwachsene; die CBD-Dosen lagen zwischen 225 und 600 mg/Tag.

Was kam heraus?

Alle vier identifizierten RCTs (120 Teilnehmer) berichteten signifikante Senkungen des systolischen Blutdrucks unter CBD im Vergleich zu Plazebo – besonders deutlich unter Stressbedingungen und im Schlaf. Höhere Dosen (600 mg/Tag) zeigten stärkere Effekte.

Nebenwirkungen waren mild bis mäßig (Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit). Es wurden keine schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisse berichtet. Die Studien sind klein und kurz – aussagekräftige Langzeitstudien mit homogenen CBD-Formulierungen und pharmakokinetischen Daten fehlen noch.

Informationen zu den Autoren: Institute of Sport, Exercise and Health, Division of Surgery and Interventional Science, University College London, London, UK.

Wissenschaft: Cannabis reduziert die Entzündungsaktivität bei HIV-positiven Konsumenten (Pubmed)

Finn BM, Sermet S, Crawford RB, Gulick P, Kaminski NE. Inflammasome formation and interleukin-1β secretion are reduced in peripheral blood monocytes from HIV+ cannabis users. J Pharmacol Exp Ther. 2026 May 27;393(7):104952. doi: 10.1016/j.jpet.2026.104952. PMID: 42320431.

Worum geht es?

HIV-Infizierte leiden auch unter antiretroviraler Therapie häufig an chronischen Entzündungen, die zu Organkomplikationen beitragen. Diese Studie untersuchte, ob Cannabiskonsum und die Cannabinoide THC und CBD Entzündungsprozesse in Immunzellen von HIV-Patienten hemmen können.

Wie wurde geforscht?

Blutmonozyten von HIV-negativen und HIV-positiven Personen (Cannabis-Konsumenten und Nicht-Konsumenten) wurden isoliert und mit LPS stimuliert. Gemessen wurden Inflammasom-Bildung, IL-1β-Sekretion und Caspase-1-Aktivität. Zusätzlich wurden Monozyten direkt mit THC und CBD behandelt.

Was kam heraus?

HIV-positive Cannabis-Konsumenten hatten im Vergleich zu HIV-positiven Nicht-Konsumenten deutlich niedrigere IL-1β-Spiegel in Monozyten – vergleichbar mit HIV-negativen Kontrollpersonen. THC und CBD supprimierten Inflammasom und IL-1β konzentrationsabhängig, wobei THC stärkere Effekte auf Caspase-1 zeigte.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Cannabinoide HIV-assoziierte Entzündungsprozesse moderat hemmen können. Dies ist eine experimentelle Ex-vivo-Studie; klinische Bedeutung und Langzeitsicherheit müssen in kontrollierten klinischen Studien untersucht werden.

Informationen zu den Autoren: Department of Pharmacology and Toxicology, Michigan State University, East Lansing, Michigan, USA; Institute for Integrative Toxicology, Michigan State University, East Lansing, Michigan, USA.

Wissenschaft: Fallbericht: Chronische orale und topische Verabreichung von THC-reichem und CBD-reichem Cannabisöl zur palliativen Behandlung eines Pferdes mit offener Wunde, Sarkoidose und chronischen Schmerzen (Pubmed)

Zamith Cunha R, Kuhn EH, Medeiros JLL, Medeiros GC, Amazonas E. Case Report: Oral and topical chronic administration of THC-rich and CBD-rich cannabis oil as palliative care in a rescued horse with open wound, sarcoid and chronic pain. Front Vet Sci. 2026 Jun 2;13:1794084. doi: 10.3389/fvets.2026.1794084. PMID: 42311392.

Worum geht es?

Dieses Fallbeispiel beschreibt den Einsatz von Cannabisöl (THC und CBD) als Palliativmedizin bei einem schwer kranken, geretteten Pferd mit einem hartnäckigen Sarkoid-Tumor, einer Wunde und chronischen Schmerzen, für die keine konventionellen Therapieoptionen mehr verfügbar waren.

Wie wurde geforscht?

Über 10 Monate wurde ein Wallach mit kombinierten oralen (Zieldosis 0,5 mg/kg THC und CBD alle 12 h) und topischen Vollspektrum-Cannabisölen behandelt. Regelmäßig dokumentiert wurden Schmerz, Mobilität, Appetit, Wundheilung, Blutparameter und Nebenwirkungen.

Was kam heraus?

Über den Behandlungszeitraum verbesserten sich Appetit, Körperkondition, Schmerzkontrolle und Mobilität kontinuierlich. Die Wunde zeigte deutliche Heilungszeichen (weniger Granulationsgewebe, bessere Epithelialisierung). Keine klinisch relevanten Nebenwirkungen bei Routinedosierung.

Dieser Einzelfallbericht liefert erste Hinweise auf das Potenzial cannabinoidbasierter Palliativtherapie bei Pferden, kann aber keine allgemeingültigen Schlussfolgerungen begründen. Kontrollierte Studien zur Dosisfindung und Indikation sind erforderlich.

Informationen zu den Autoren: Department of Veterinary Medical Sciences, University of Bologna, Italy; Postgraduate Program in Conventional and Integrative Veterinary Medicine (PPGMVCI), Federal University of Santa Catarina (UFSC), Curitibanos, Brazil.

Wissenschaft: Vorteile von medizinischem Cannabis bei Patienten mit Schmerzen, die im medizinischen Cannabisprogramm von Minnesota registriert sind. (Pubmed)

Christensen GM, Park SJ, Rak D. Benefits of Medical Cannabis in Patients With Pain Registered in the Minnesota Medical Cannabis Program. Clin Ther. 2026 Jun 16. doi: 10.1016/j.clinthera.2026.05.024. PMID: 42303550.

Worum geht es?

Staatliche Cannabis-Programme sammeln wertvolle Realdaten zu medizinischem Cannabis außerhalb klassischer Studienumgebungen. Diese Analyse des Minnesota Medical Cannabis Program untersuchte, welche Produkte von Schmerzpatienten genutzt werden und welcher Nutzen erzielt wird.

Wie wurde geforscht?

Ausgewertet wurden Daten von Schmerzpatienten, die sich im Minnesota Medical Cannabis Program einschrieben, mindestens 8 Monate Cannabis kauften und regelmäßig die PEG-Schmerzskala ausfüllten. Produktkäufe wurden nach Applikationsweg und THC:CBD-Verhältnis kategorisiert und mittels k-means-Clustering gruppiert.

Was kam heraus?

Innerhalb von 4 Monaten berichteten 40,8 % der Patienten eine ≥30-prozentige Verbesserung des Schmerzscores, 54,9 % bei der Lebensfreude und 54,7 % bei der Aktivitätsbeeinträchtigung. Cannabis-Blüten mit hohem THC-Anteil waren die am häufigsten genutzten Produkte.

Überraschend war, dass das Produktprofil (Art und THC:CBD-Verhältnis) nach Adjustierung nicht mit dem Therapieerfolg assoziiert war. Dies unterstreicht die Heterogenität realer Cannabis-Anwendung und den Bedarf an personalisierten Forschungsansätzen zur Identifikation optimaler Therapiestrategien.

Informationen zu den Autoren: Division of Data and Analytics, Minnesota Office of Cannabis Management, Saint Paul, Minnesota, USA.

Wissenschaft: Studie zur Eigenanwendung von medizinischem Cannabis bei nichtmotorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit (Pubmed)

Anis O, Lassman S, Goldberg T, Saar A, Meiri D, Shapira A, Fay-Karmon T, Ephraty L, Hassin-Baer S, Anis S. Exploratory Prospective Study of Self-Titrated Medical Cannabis for Nonmotor Symptoms in Parkinson's Disease. Cannabis Cannabinoid Res. 2026 Jun 16. doi: 10.1177/25785125261458680. PMID: 42304702.

Worum geht es?

Parkinson-Patienten leiden neben den Bewegungsstörungen häufig unter nicht-motorischen Symptomen wie Schmerzen, Schlafproblemen und Blasenfunktionsstörungen, für die gute Therapieoptionen fehlen. Diese Studie untersuchte erstmals in einem regulierten Realsetting, ob selbsttitriertes medizinisches Cannabis diese Symptome lindern kann.

Wie wurde geforscht?

Offene prospektive Kohortenstudie mit 68 Parkinson-Patienten, die mit medizinischem Cannabis (Öl oder Blüten, verschiedene THC/CBD-Verhältnisse) über 3 Monate behandelt wurden. Validierte Skalen für nicht-motorische Symptome, Schmerz, Schlaf, Harnwegssymptome und Lebensqualität wurden zu Beginn und nach 3 Monaten erhoben.

Was kam heraus?

Alle primären Endpunkte verbesserten sich signifikant: nicht-motorische Gesamtbelastung (NMSS: Δ14,5), Schlaf (PDSS-2: Δ5,9), Schmerz (KPPS: Δ8,1) und Lebensqualität (PDQ-8: Δ1,5). Die nächtliche Miktionsfrequenz sank. Das Cannabinoidprofil korrelierte nicht mit dem klinischen Ansprechen.

Die Dropout-Rate war mit 26,5 % nicht trivial. Da es sich um eine offene, nicht kontrollierte Studie handelt, können Placebo-Effekte nicht ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse rechtfertigen jedoch randomisiert-kontrollierte Studien mit standardisierter Dosierung und kognitiven Sicherheitsparametern.

Informationen zu den Autoren: Neurological Department, Movement Disorders Institute, Sheba Medical Center, Ramat Gan, Israel; Faculty of Biology, Technion-Israel Institute of Technology, Haifa, Israel.

Wissenschaft: Unerwartete Besserung der Hyperhidrose durch Cannabidiol. (Pubmed)

Pitliuk R, Coelho CMF, Fucci TPPDCS. Unexpected improvement of hyperhidrosis with cannabidiol. Einstein (Sao Paulo). 2022 Feb 14;20:eRC5795. doi: 10.31744/einstein_journal/2022RC5795. PMID: 35170710.

Worum geht es?

Übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose) ist eine häufige und belastende Erkrankung, bei der Therapieoptionen begrenzt sind. Dieser Fallbericht beschreibt zwei Patienten, bei denen die Behandlung mit CBD zufällig auch die Hyperhidrose deutlich verbesserte.

Wie wurde geforscht?

Zwei Fallberichte aus der klinischen Praxis: Ein Patient verwendete CBD zur Stressreduktion vor Arbeitspräsentationen; ein zweiter Patient mit Autismus-Spektrum-Störung erhielt CBD. Bei beiden wurde das Ausmaß der Hyperhidrose vor und nach CBD-Anwendung dokumentiert.

Was kam heraus?

Bei beiden Patienten verbesserte sich die Hyperhidrose unmittelbar nach CBD-Einnahme deutlich – dieser Effekt war nicht das primäre Behandlungsziel und daher unerwartet. Der Mechanismus ist unklar, könnte aber über CBDs anxiolytische oder autonome Nervensystem-modulierende Eigenschaften vermittelt sein.

Fallberichte können keine Kausalität belegen und sind nicht generalisierbar. Kontrollierte Studien zur Wirkung von CBD auf Hyperhidrose sind erforderlich, um diesen interessanten Zufallsbefund zu evaluieren.

Informationen zu den Autoren: Hospital Israelita Albert Einstein, São Paulo, SP, Brazil.

Wissenschaft: Wurzeln von Cannabis sativa gegen UVB-bedingte Schäden in menschlichen Keratinozyten (Hautzellen) (Pubmed)

Bak DH, Park SH, Ryu YB, Kim CY, Jeong JC, Kim WS. Protective effects of extracellular vesicle-like nanoparticles derived from Cannabis sativa adventitious roots against UVB-induced damage in human keratinocytes. Int J Cosmet Sci. 2026 Jun 15. doi: 10.1111/ics.70108. PMID: 42298090.

Worum geht es?

UV-Strahlung schädigt die Haut und fördert Hautalterung und Entzündung. Diese Studie entwickelte neuartige Nanopartikel aus Cannabiswurzelkulturen (ohne psychoaktive Inhaltsstoffe) und testete deren Schutzwirkung auf menschliche Hautzellen.

Wie wurde geforscht?

Aus Wurzelkulturen von Cannabis sativa wurden extrazellulärvesikelartige Nanopartikel (CA-NPs) isoliert und charakterisiert. Menschliche Keratinozyten (HaCaT-Zellen) wurden mit UVB bestrahlt und anschließend mit CA-NPs behandelt. Gemessen wurden Zellüberleben, Apoptoserate, oxidativer Stress, Entzündungsmarker, Hautbarrieregene (HAS1, FLG, LOR, IVL) und MMPs sowie MAPK/Nrf2-Signalwege.

Was kam heraus?

CA-NPs (~128 nm) zeigten hervorragende physikochemische Stabilität und schützten Keratinozyten effektiv vor UVB-induzierten Schäden: Apoptose sank, Zellüberleben stieg, Entzündungsmarker und abbauende Enzyme (MMP-1/-3/-9) wurden gehemmt, schützende Hautbarrieregene wurden hochreguliert.

Die MAPK- und Nrf2-Signalwege wurden moduliert, was auf einen mehrstufigen Schutzmechanismus hindeutet. Diese rein pflanzlichen, nicht-psychoaktiven Nanopartikel zeigen vielversprechendes Potenzial für Kosmetika und Photoalterungsschutz – weitere Tier- und klinische Studien sind erforderlich.

Informationen zu den Autoren: Biological Resource Center, Korea Research Institute of Bioscience and Biotechnology (KRIBB), Jeongeup, Republic of Korea.

Wissenschaft: Identifizierung von Cannabichromevarin als mögliche antivirale Substanz bei Masern (Pubmed)

Abbou H, Gaouzi Z, Zegrari R, Kartti S, Hakmi M, Boutayeb S, Belyamani L, ElJaoudi R. Identification of cannabichromevarin as a potent stabilizer of the measles virus prefusion F protein: structural insights from long-timescale molecular dynamics. Sci Rep. 2026 Jun 12. doi: 10.1038/s41598-026-50199-6. PMID: 42286054.

Worum geht es?

Masern sind trotz verfügbarer Impfstoffe weiterhin weltweit ein Gesundheitsproblem. Für infizierte Personen gibt es kaum zugelassene antivirale Therapien. Diese computergestützte Studie untersuchte, ob seltene, nicht-psychoaktive Cannabinoide das Masernvirus hemmen könnten.

Wie wurde geforscht?

Mittels virtuellen Screenings, molekularem Docking und aufwendigen Molekulardynamik-Simulationen (1000 Nanosekunden) wurden kleine Cannabinoide auf ihre Fähigkeit getestet, das Fusions-Glykoprotein (F-Protein) des Masernvirus in seiner inaktiven Form zu stabilisieren und damit die Virusinfektiosität zu blockieren. Zusätzlich wurden Toxizität und Arzneistoffeigenschaften rechnerisch vorhergesagt.

Was kam heraus?

Cannabichromevarin (CBCV) zeigte die stärkste Bindungsaffinität zum Masernvirus-F-Protein und übertraf den Referenzinhibitor in allen Kenngrößen. CBCV stabilisierte das F-Protein in seiner inaktiven Konformation und besitzt rechnerisch optimale Arzneistoffeigenschaften sowie vorhergesagte Blut-Hirn-Schranken-Gängigkeit.

Dies ist eine rein rechnerisch-experimentelle Studie ohne Laborversuche oder klinische Daten. Die Ergebnisse liefern eine Hypothese, die in Zellkultur, Tiermodellen und letztendlich klinischen Studien geprüft werden muss, bevor CBCV als antivirales Medikament eingesetzt werden könnte.

Informationen zu den Autoren: Laboratory of Drug Sciences (LRSM), Mohammed VI Faculty of Medicine, Mohammed VI University of Sciences and Health (UM6SS), Casablanca, Morocco.

Wissenschaft: Vergleich von Cannabinoid-Extrakten zur Behandlung krebsbedingter Symptome (Pubmed)

Hawley PH, Wade K, Daeninck P, Fitzgibbon E, Kerba M, Goldie CE, Kopolovic I. Comparing cannabinoid extracts for treating cancer-related symptoms: a randomized placebo-controlled, triple-blind aggregate n-of-1 clinical trial. medRxiv. 2026 Jun 2. doi: https://doi.org/10.64898/2026.05.31.26354558.

Worum geht es?

Viele Krebspatienten leiden an behandlungsresistenten Symptomen wie Schmerzen, Schlafproblemen, Angst und Übelkeit. Diese Studie verwendete eine innovative N-von-1-Methodik, um zu testen, welche Cannabinoidextrakte (THC, CBD oder 1:1-Mischung) bei einzelnen Krebspatienten am besten wirken.

Wie wurde geforscht?

Aggregierte N-von-1-Studie mit 91 ambulanten Krebspatienten aus 8 kanadischen Zentren. Jeder Patient probierte in randomisierter Reihenfolge drei verblindete sublinguale Extrakte (THC, CBD, 1:1-Mischung) und Plazebo – jeweils 4 Tage lang, selbsttitriert. Primärer Endpunkt war eine ≥20-prozentige Verbesserung im Patient Global Impression of Change (PGIC) für mindestens ein Extrakt gegenüber Plazebo.

Was kam heraus?

56 % der Teilnehmer erreichten den primären Endpunkt mit mindestens einem Extrakt. Im Mittel war keines der drei Extrakte den anderen überlegen – aber für die meisten Patienten gab es eine klare individuelle Präferenz. Am häufigsten verbesserten sich Schlaf, Müdigkeit und Angst, unabhängig vom Hauptsymptom.

Milde Nebenwirkungen traten bei allen Extrakten einschließlich Plazebo auf; mittelschwere bis schwere Effekte waren selten und hauptsächlich THC-assoziiert. Die Studie betont die Notwendigkeit personalisierter Therapieansätze: Eine Startdosis von 2,5 mg THC/CBD dreimal täglich war gut verträglich. (Vorabdruck, noch kein Peer-Review.)

Informationen zu den Autoren: BC Cancer, Vancouver, BC, Canada; Department of Oncology, University of Calgary, Calgary, AB, Canada